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Formel-1-Countdown 2008: Super Aguri

03. März 2008 - 18:19 Uhr

Das Team von Aguri Suzuki wird in Melbourne am Start sein, aber Formel-1-Experte Marc Surer befürchtet: "Da geht es nur ums Überleben!"

Super-Aguri-Truck
Bild mit Symbolkraft: Die Trucks von Super Aguri reisen aus Barcelona ab
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Am 16. März beginnt mit dem Grand Prix von Australien in Melbourne die neue Formel-1-Saison. 'Motorsport-Total.com' veröffentlicht aus diesem Anlass jeden Tag einen Artikel aus der Countdown-Reihe - zu den fünf deutschen Stammfahrern und den elf Teams. Heute: Super Aguri.

Für Aguri Suzuki steht das Jahr 2008 vor allem unter einem Motto, wie unser Formel-1-Experte Marc Surer festhält: "Da geht es nur ums Überleben!" Der Japaner wollte sein neues Auto eigentlich am 19. Februar in Barcelona offiziell präsentieren, doch dieser Termin musste schon im Vorhinein abgesagt werden - und selbst die als Ersatz für die Medien geplante Pressekonferenz kam nicht zustande, weil das Team gar nicht erst zum Barcelona-Test aufkreuzte.

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Finanzkrise durch abgesprungenen Sponsor

Die Finanzkrise beim im britischen Leafield in der ehemaligen Arrows-Fabrik eingemieteten Team entstand durch nie überwiesene Zahlungen von Hauptsponsor SS United. Zwar kamen im September 2007 vier neue Sponsoren an Bord, die Super Aguri kurzfristig über Wasser hielten, aber im Winter ging wieder alles von vorne los. Also machte sich Teamchef und Mehrheitseigentümer Suzuki auf die Suche nach einem neuen Investor.

Im Zuge dieser Bemühungen kam es zu Gesprächen mit mehreren Interessenten, darunter zum Beispiel der spanische Geschäftsmann Alejandro Agag, GP2-Teamchef Adrian Campos, A1GP-Boss Tony Teixeira und zuletzt die indische Spice-Gruppe. Alle Verhandlungen scheiterten aber aus zum Teil unterschiedlichen Gründen, sodass die Zukunft des Rennstalls elf Tage vor dem ersten Freien Training der neuen Saison immer noch ungeklärt ist.

Suzuki war kürzlich in Japan, um mit seinen Gönnern von Honda über einen rettenden Deal zu verhandeln, kam aber ohne konkretes Ergebnis wieder nach Europa zurück. Zwar hat Honda schon vor Monaten zugesagt, neben Motoren und Know-how auch weiterhin Geld zuzuschießen, sofern Anthony Davidson als zweiter Fahrer im Team bleibt, aber das alleine reicht wohl nicht aus. Andererseits wird Honda im Notfall doch mit Last-Minute-Hilfe einspringen.

Rolle als Honda-B-Team

Takuma Sato
Takuma Sato ist fahrerseitig die erklärte Nummer eins des Super-Aguri-Teams
© xpb.cc

Super Aguri, ursprünglich gegründet als Abstellgleis für Takuma Sato, wird somit nach einer recht tapferen Saison 2007 wieder in die Rolle des B-Teams zurückgedrängt. So hat die Suzuki-Truppe im Winter zum Beispiel potenzielle Honda-Testfahrer evaluiert, damit das A-Team Testkilometer sparen kann, und Davidson soll für etwaige zukünftige Arbeiten warm gehalten werden - falls ihn Honda doch wieder irgendwann brauchen sollte. Darum scheiterten die Verhandlungen mit Narain Karthikeyan.

Zumindest steht seit Freitag fest, dass Super Aguri in Melbourne am Start sein wird - für Surer keine Überraschung: "Sie müssen dabei sein, denn sonst müssen sie Strafe zahlen - und dann wird das Problem noch größer. Es ist wohl billiger, nach Melbourne zu fliegen, um einfach am Rennen teilzunehmen, auch wenn es mit einem alten oder nur leicht umgebauten Auto ist." Aber: "Warum sollten sie den Anschluss halten können, wenn sie nicht testen und nichts tun?"

Taucht doch noch ein Investor auf?

Und auch unser zweiter Experte Sven Heidfeld sagt: "Ich glaube, das hatten die sich alle etwas anders gedacht mit dem B-Team von Honda. Die wollten sich da Fahrer heranzüchten und jetzt müssen sie erstmal alle Ressourcen auf sich selbst konzentrieren. Aber mal abwarten. Meist kommt ja kurz vor dem Saisonstart noch irgendjemand mit viel Geld und tritt als Retter auf. Der kauft sich dann da ein, weil er sich schon immer mal in der Formel 1 verwirklichen wollte."

Sportlich darf man zunächst keine Wunderdinge von Sato und Davidson erwarten, denn die nach Saisonende 2007 zwangsweise entlassenen Mitarbeiter werden sich ebenso auswirken wie die Tatsache, dass das Auto im Grunde genommen immer noch ein verbesserter Honda RA106 aus dem Jahr 2006 ist. Chassis und Motor wurden zwar seither den neuen Reglements angepasst, aber die Leistungsentwicklung steht seit Monaten still.

Seit 1. Januar hat das Team gerade mal vier Testtage mit einem Pensum von insgesamt 1.125 Kilometern zurückgelegt. Zum Vergleich: Ferrari und McLaren-Mercedes kamen an 19 Testtagen auf mehr als 13.000 Kilometer. Und weil Stillstand in der Formel 1 eigentlich nur Rückschritt bedeuten kann, wäre aus Sicht von Super Aguri alles andere als die letzte Startreihe eine mittlere Sensation, wenn man bedenkt, wie stark Force India aufgerüstet hat.

Es wäre nicht das erste Super-Aguri-Wunder...

Aguri Suzuki und Daniele Audetto
Ein Bild aus besseren Tagen: Aguri Suzuki und Daniele Audetto bejubeln WM-Punkte
© Super Aguri

Andererseits hat Suzuki schon einmal ein kleines Wunder vollbracht, als er im Winter 2005/06 innerhalb von nur vier Monaten aus dem Nichts sein eigenes Grand-Prix-Team auf die Beine stellte. Im Vorjahr gelang es dann sogar, den strauchelnden großen Bruder Honda regelmäßig zu ärgern - den sensationellen sechsten Platz von Sato in Montréal inklusive. Zuvor war der Japaner in Barcelona als Achter schon einmal in die Punkteränge gefahren.

Die deutschsprachigen Fans wünschen sich jedenfalls, dass es mit Super Aguri weitergeht, denn das Team hat in seinen bisherigen beiden Jahren in der Königsklasse des Motorsports viele Sympathiepunkte gesammelt. In einer im Februar von 'Motorsport-Total.com' durchgeführten Umfrage haben 71,35 Prozent unserer Leser angegeben, dass sie Suzukis Truppe vermissen würden. Insgesamt wurden im Rahmen der Umfrage mehr als 6.000 Stimmen abgegeben.

Saisonstatistik 2007:

Team:

Konstrukteurswertung: 9. (4 Punkte)
Siege: 0
Pole-Positions: 0
Schnellste Rennrunden: 0
Podestplätze: 0
Ausfallsrate: 23,529 Prozent (7.)
Durchschnittlicher Startplatz: 16,647 (10.)
Bisherige Testkilometer 2008 mit neuem Auto: 0

Takuma Sato (Startnummer 18):

Fahrerwertung: 17. (4 Punkte)
Durchschnittlicher Startplatz: 17,235
Bestes Ergebnis Qualifying: 10.
Bestes Ergebnis Rennen: 6.
Ausfallsrate: 17,647 Prozent (10.)
Bisherige Testkilometer 2008: 846 (27.)

Anthony Davidson (Startnummer 19):

Fahrerwertung: 23. (0 Punkte)
Durchschnittlicher Startplatz: 16,059
Bestes Ergebnis Qualifying: 11.
Bestes Ergebnis Rennen: 11.
Ausfallsrate: 29,412 Prozent (16.)
Bisherige Testkilometer 2008: 235 (34.)

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